Kapitel 3

Zweite Art, die Sonnenstrahlen aufzufangen

[HS.01_003,01] So die erste euch bekanntgegebene Art irgend Schwierigkeiten hätte – was sehr leicht sein kann –, durch die ihr nicht imstande wäret, euch all das dazu Erforderliche herbeischaffen zu können, so könnt ihr auch noch auf eine andere, der ersten Art aber dennoch ähnliche Weise die Sonnenstrahlen durch ein taugliches Mittel auffangen und in vorkommenden Krankheitsfällen einem Leidenden damit zu Hilfe kommen. Und diese Art besteht darin:

[HS.01_003,02] Anstelle der violetten Glastasse könnt ihr auch eine aus gutem Ton gebrannte, entweder ganz schwarz, besser aber dunkelblau glasierte Tasse oder Schale nehmen, und in diese Tasse anstelle der Milchzuckerkügelchen einen andern ganz reinen, erbsengroß gebröckelten Zucker also tun, daß nicht ein oder das andre Bröckchen ein darunterliegendes deckt. Stellet dann solchen Zucker eine gleiche Tageszeit wie bei der früheren Art auf wenigstens zwei Monde lang der Sonne aus, und verwahret ihn die Nacht hindurch, wie auch nachher, ebenso sorgfältig wie bei der früheren Art in einem dunklen, vor der Einwirkung der Luft wohlverwahrten Gefäße.

[HS.01_003,03] Der Gebrauch ist derselbe wie bei der ersten Art, nur mit dem Unterschiede, daß hier die Dosis etwas stärker sein muß als bei der ersten Art, weil sich in diesen Zuckerbröckchen in dem tönernen Gefäße die Sonnenstrahlen nicht so sehr konzentrieren wie bei der früheren Art.

[HS.01_003,04] Bei Krankheiten, die eine schnelle Hilfe und Linderung brauchen, kann nach dieser zweiten, wie auch nach der ersten Art das Heilmittel sogleich dem Kranken eingegeben werden. Wenn jedoch die vorhin angezeigte Vordiät mit dem Genusse des bekanntgegebenen Sonnenwassers zum voraus beachtet werden kann, so ist die darauffolgende Heilung desto sicherer und schneller, weil dadurch der Seele eine bedeutende Arbeit erspart wird.

[HS.01_003,05] Diesen von den Sonnenstrahlen geschwängerten Bröckelzucker könnt ihr sehr wirksam auch also anwenden:

[HS.01_003,06] Wenn der Kranke den Tag hindurch einige Trinkgläser voll gesonnten Wassers getrunken hat, so soll er sich darauf in ein gutes Bett legen, in welchem er nach ein paar Stunden sicher in einen Schweiß kommen wird.

[HS.01_003,07] Wenn der Kranke also in einem Schweiße ist, so nehmet 1 bis 3 Bröckchen von dem gesonnten Zucker und tauchet das Bröckchen ein wenig in einen der Schweißtropfen und gebet es also dem Leidenden ein. Er wird darauf sich etwas eingenommen fühlen im Kopfe und im Magen einen leichten Druck verspüren; auch wird es ihn im ganzen Leibe ganz leicht krampfhaft frösteln. Auf dieses Frösteln wird sich dann eine leichte Diarrhöe einstellen, mit welchem der Patient auch vollkommen geheilt ist.

[HS.01_003,08] Diese nun beschriebene Wirkungsäußerung kann bei manchen 3, bei manchen sogar bis 7 Tage andauern, je nachdem der Kranke eine leichtere oder schwerere Natur besitzt.

[HS.01_003,09] Nach der Herstellung aber soll der Geheilte dennoch die Diät ein paar Wochen hindurch fortdauernd beachten und zuweilen ein Glas voll Sonnenwasser trinken, und er wird von was immer für einem Übel aus der Wurzel wiederhergestellt sein.

[HS.01_003,10] Hierzu ist aber noch zu bemerken, daß bei jenen Krankheiten, die gewöhnlich von Anschoppungen herrühren, eine vorangehende Diät unbedingt notwendig ist, und zwar streng also, wie sie in der besten Homöopathie vorgeschrieben ist.

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