Bettelbanden im Westen

Antwort auf eine Frage „jamei“s in www.ooen.at zum Thema Bettlerbanden aus dem Osten, welche in Wärmestuben für Obdachlose in Linz, Österreich, agressiv auftreten.

Mein lieber jamei,

inzwischen ist fast jeden Tag schon irgendetwas über Zigeuner, Roma, Sinti zu hören – irgendwo las ich gestern von einem neuen europäischem Problem, welches dieses Volk verursacht – und so möchte ich deine Frage als Anlaß nehmen, detaillierter darauf einzugehen, auch, um diese Antwort für andere Beiträge in anderen Medien ebenfalls nutzen zu können.

Bis zur rumänischen „Revolution“ im Jahre 1989, als Ceaucescu von seinen eigenen Leuten ermordet wurde, hatten alle, auch die Zigeuner, eine Arbeit und auch alle eine Wohnung.

Das bedeutet nicht, daß die alle in riesigen Fabriken zusammengepfercht waren, wie es uns die westliche Propaganda vermittelt – bis ins Jahr 2007, dem Beitritt Rumäniens zur Europäischen Union,  gab es ein festes Gefüge im althergebrachten Wirtschaftssystem:

Ziegel wurden hauptsächlich von Zigeunern gemacht. Die kamen aus dem Süden rauf, bauten sich Zelte neben der Muresch, lebten dort mit dem kompletten Clan vom Frühjahr bis zum Herbst und machten die Ziegel. Aufgeschlichtet in einem bestimmten System mit Kanälen drinnen, welche sie mit Kohle füllten und dann die Ziegel brannten. Ich habe da oft zugesehen und habe einmal gutes Bezin besorgt, damit es schneller wegbrennt.

Ein Großteil der Häuser in dieser Gegend ist aus diesen Ziegeln gebaut.

Dann kam die EU und mit der EU kam Wienerberger, OBI, Hornbach, Praktiker etc …. also  genau die Firmen, die Geld aus einem Land von der Bevölkerung, absaugen.

Kesselmacher. Ebenfalls Zigeunerfamilien, die im Sommer in die Gegend kamen, ihr Zelt an einem Ortsrand aufstellten und dort Brennkesseln aus Kupfer getrieben haben, Töpfe geflickt und neue verkauft haben. Das waren wahre Künstler und brauchten keine Versorgung.

Die haben sich alle selbst erhalten und die rumänische Bevölkerung war froh, diese Handwerker zu haben.

Dachrinnen. Dach-Spenglerarbeiten. Sind in der festen Hand von Zigeunern aus dem Osten Rumäniens gewesen. Bis die 2007 Baumärkte kamen und diesen Beruf verdrängt haben.

Und noch was:

Die Zigeuner waren fixe Arbeitskräfte in den landwirtschaftlichen Betrieben. Egal, ob mit Getreide oder Viehzucht, Milchwirtschaft, Schafhirten und Melker etc.

Nach dem Zusammenbruch des bis 1989 gültigen Wirtschaftssystems in Rumänien haben sich viele Leiter dieser großen Betriebe die Dinge unter den Nagel gerissen. Traktoren, Mähdrescher, landwirtschaftliche Geräte und auch das Geld.

Es wurden keine Löhne mehr ausbezahlt. Die Arbeiter sahen darin das Recht, auf eigene Faust zu handeln und stahlen dann die Dachziegel, die elektrischen Installationen, die Fenster, die Türen, die Ziegeln aus den Mauern – das Holz vom Dachstuhl und dort, wo früher riesige Ställe waren, siehst du heute nur mehr einen Stumpfen Betonfundament.

Somit ist die Wirtschaft des Landes komplett eingebrochen.

Die Zigeuner, die heute so um die 50 Jahre und älter sind, hatten bis 1989 jeder Arbeit, Wohnung, oder Haus, Kranken- und Pensionsversicherung.

Deren Kinder, heute so um die 30, hatten keinen fixen Arbeitsplatz mehr. Sie überleben mit gelegentlichen Feldarbeiten, Unkrautläten auf bei Sonnenblume und Mais, Maisernte, welche noch bis vor 5 – 6 Jahren händisch gemacht wurde oder weichen aus in den Westen.

Übrigens: Der aktuelle Tageslohn eines Taglöhners ist Süden Rumäniens ca. 4,60 €, bei uns im reicheren Westen Rumäniens ca 12 €.

Tageslohn – nicht Stundenlohn.

Und deren Kinder – haben absolut keine Chance mehr. Braucht niemand mehr. Aber auch die träumen von einem Handy und einem Computer. Und haben dasselbe Recht drauf wie ein Kind aus Österreich, oder Deutschland………

„Die Zigeuner“ …… dieses Volk ist sehr vielfältig. Meinen ersten Porsche Cayenne und meinen ersten Maybach habe ich in Rumänien gesehen mit einem Zigeuner am Steuer.

Und wir haben jedes Jahr im Winter Zigeuner-Kinder bei uns mit aufgefrorenen Füßen, etwas, was ich bis dahin nur aus den Schilderungen der Soldaten hörte, welche im 2. WK in Rußland waren.

Das ist die Bandbreite – so wie bei jedem anderen Volk auch.

Zurück zu den Bettlern bei euch im Westen.

Die Mutter der Kinder mit den aufgefrorenen Füßen – und viele andere mit ihr, welche ein Ehrgefühl haben, würde sich schämen, im Westen eine Bettel-show abzuziehen.

Viele, die betteln, müssen sehr oft das erbettelte Geld abgeben an ihre Chefs. Der Oberchef des Unternehmens lebt in Palästen, von dem du keine Vorstellung hast. Sie haben eigene Angestellte, deren Aufgabe es ist, rumzufahren und das Geld einkassieren. Da geht´s um riesige Summen.

Nicht nur von den Bettlern, sondern auch von der Prostitution, Kinder- und Organhandel, Kreditbetrug (Kredite, die mit falschen Lohnbestätigungen von Analphabeten ergaunert werden) und dem System des erschwindelten Kindergeldes im Westen.

Darum, stellt euch, aber nur im Rahmen geltender Gesetze, auf die Füße, sagt Bernhard, der

–          seit 2006 Ehrenmitglied der rumänischen Zigeunerpartei ist,

–          10 Jahre lang täglich bis zu 140 Kinder, davon über die Hälfte Zigeunerkinder, mit essen versorgen durfte (Ergänzung: jeweils in den härteren Monaten Anfang November – Ende Mai)

–          Seit 14 Jahren Zigeuner, welche kein Recht auf Krankenbehandlung haben, im Rahmen von „Hilfe für Kranke ohne Hilfe“ betreuen darf.

–          Zum Teil mit ihnen gelebt hat und sie liebt, auch wenn sie manchmal etwas anstrengend sein können …..:-)

So, jamei, das war wieder ein kleines, weiteres Mosaiksteinchen zu diesem Dauerthema…:-)

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